drucken


Tipp des Monats

von Ute Lambrecht

Ernest van der Kwast: Mama Tandoori

btb, 2018

Buchcover; © btb, 2018

Aus dem Inhalt:

 

Ernest van der Kwast erzählt in seinem autobiografisch gefärbten Roman die Geschichten seiner beiden sehr unterschiedlichen Familien. Der Vater, ein linkischer Mann mit Segelohren, ein typischer Holländer, verliebt sich in eine indische Krankenschwester, die mit zwei Koffern voller Armbänder, Ketten und Ohrringe in die Niederlande gekommen ist.
Vor allem sie steht im Mittelpunkt des Romans. Als Ernährerin der Familie, Vater von der Kwast studiert Medizin, sieht sie es als ihre vordringliche Aufgabe an, möglichst alles kostenfrei bzw. günstig zu bekommen. Wie ein feuerspeiender Drache kämpft sie an allen Fronten, sei es beim Hauskauf, der Kindererziehung oder im Supermarkt beim Kauf einer Palette Schoko-Waffeln. Söhne und Ehemann werden konsequent beim Transport der günstig erworbenen Güter eingesetzt, meistens unter Androhung von Gewalt in Gestalt eines fliegenden Pantoffels oder dem Einsatz des Nudelholzes.
Natürlich will sie nur das Beste und so erwartet sie, dass ihre Söhne selbstverständlich entweder Arzt oder Anwalt werden.
Die Lachmuskeln werden schon arg strapaziert, wenn da nicht die traurige Geschichte des erstgeborenen, geistig behinderten Sohnes Ashirwad wäre. Ihre Hoffnung auf „Genesung“ gibt sie nicht auf, fährt mit ihm nach Lourdes, aber an eine Heilung ist nicht zu denken.
Ernest van der Kwast ist ein begnadeter Erzähler, der seiner Mutter mit diesem Roman ein liebevolles, aber auch kritisches Denkmal setzt. Sehr schön geschrieben ist seine Reise durch Indien, bei der er einen kleinen Teil seiner großen indischen Verwandtschaft kennenlernt und danach etwas besser versteht, warum seine Mutter so geworden ist, wie sie ist.
Jetzt muss sie sich nur noch daran gewöhnen, dass Ernest kein Arzt, sondern Schriftsteller geworden ist, was für sie fast genauso schlimm ist wie die Behinderung Ashirwads.
Ein Roman fürs Herz mit einem lachenden und einem traurigen Auge. Unbedingt empfehlenswert.

 

Standort: Stadtbibliothek im VHH (UG Romane, Signatur: Kwa 1)

 

Medien werden auf Wunsch an den Standort Ihrer Wahl gebracht.


drucken